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Karfreitag (15.04.22)

Karfreitag

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung
Lk 23,32-49 Jes 52, 13 - 53, 12 Hebr 4, 14-16; 5, 7-9

Kontexte

Das Neue Evangelium

Der Film „Das neue Evangelium“ zeigt eine in die heutige Zeit versetzte Passionsgeschichte. Im italienischen Dorf Materna hat der Regisseur Milo Rau die Kreuzigung Jesu in Szene gesetzt, indem er die zentralen Rollen mit Migrantinnen und Migranten besetzte. Sie werden in Italien in der Landwirtschaft beschäftigt und dabei oft ausgebeutet. Die Passionsgeschichte rund um das Leiden und Sterben Jesu wird verzahnt mit den miserablen Sozialstandards im italienischen Agrarsektor und mit den Versuchen, Ausbeutung und unwürdige Lebensverhältnisse zu überwinden. In einer „Revolte der Würde“ werden – im Film wie auch im Umfeld seiner Produktion - Gerechtigkeit und ein Umsturz der Verhältnisse angestrebt.

Die Passionsgeschichte – eine Anleitung zum Kampf für mehr Gerechtigkeit?

YVAN SAGN, der im Film „Das neue Evangelium“ den Jesus spielt, sagt dazu:

HesslerKreuzLampedusa 300„Verliert der Mensch seine Würde, wird er zum Tier, zum Objekt. Die „Revolte der Würde“ umfasst also die Bemühungen der Menschen, menschlich zu bleiben. Wer für die eigene Würde und das eigene Wohlergehen eintritt, kämpft damit für die Würde und das Wohlergehen aller Menschen. Diese Lehre können wir aus den Evangelien ziehen. Aber wir können sogar noch einen Schritt weiter gehen und sagen: Wir dürfen nicht aufhören, die Ungerechtigkeiten der Welt zu verurteilen. Denn diese Fähigkeit zu verlieren, bedeutet den Abstieg in die Barbarei. Wir leben in Zeiten, in denen wir es uns nicht mehr leisten können, nichts zu tun. Wir müssen uns zusammenschließen, um mit vereinten Kräften das Böse zurückzudrängen, das, was die Bibel „Teufel“ nennt. Deshalb fordere ich alle Organisationen, alle Menschen auf, sich der ‚Revolte der Würde‘ anzuschließen.

Holzkreuze aus Lampedusa (Bild: © B. Heßler)

Lampedusa, die rund 200 Kilometer südlich von Sizilien gelegene Insel im Mittelmeer, ist zum Sinnbild der gestrandeten Menschen geworden, die aus Afrika kommend in Europa Zuflucht suchen. 2009 kam der auf der Insel ansässige Tischler Francesco Tuccio auf die Idee, aus den Trümmern eines gekenterten Flüchtlingsbootes Kreuze herzustellen. Auf diese Weise macht er auf die Situation der Geflüchteten aufmerksam. Insbesondere erinnert er so an das Schicksal der Vielen, die die Fahrt übers Meer nicht überleben. Kreuze aus Lampedusa sind inzwischen an vielen Orten zu sehen – als Mahnmal für Gerechtigkeit, für Menschlichkeit, für Solidarität.


Lk 23,32-49

Vor gewaltiger Kulisse ereignet sich eine Tragödie - eine Tragödie, die die Welt nachhaltig verändern wird.

Wer ist Kulisse in diesem Ereignis? Das Volk, das das Urteil so maßgeblich beeinflusst hat? Die Zuschauerinnen und Zuschauer, einige von ihnen nah dran, einige weit entfernt? Die beiden Männer, die mit Jesus gekreuzigt werden? Die Soldaten, die ihren Job mit alten Ritualen verbinden? Der Hauptmann, der am Ende Glauben bekennt?

Wer ist beteiligt und wer schaut nur zu? Wer ist Täter? Wer ist Opfer?

Im Lukasevangelium wird die Kreuzigung Jesu als ein Ereignis beschrieben, das niemanden kalt lässt. Menschen kommen ins Fragen. Einer kommt zum Glauben. Einer gar ins Paradies. Zuschauerinnen werden zu Betroffenen. Das Licht verschwindet – Finsternis bedeckt die Erde. Und der Vorhang im Tempel zerreißt.

Lukas verknüpft seine Beschreibung des Todes Jesu mit alten Erinnerungen und neuen Hoffnungen. Erinnert wird die Geschichte der Schöpfung, die Licht aus Finsternis entstehen ließ – und die nun auf den Kopf gestellt wird. Erhofft werden neue Verhältnisse, die auch das Leben im Tempel verändern werden. Kein Vorhang wird dort noch Gott und Mensch voneinander trennen. Gottes Wohnung bleibt nicht länger ein verhüllter Raum für Eingeweihte. Das Heiligtum öffnet sich für alle. Der Tod Jesu verändert die Beziehungen – sowohl die Beziehungen zwischen dem Menschen als auch die zwischen Gott und Mensch.

Dafür setzt sich Jesus ein und Lukas wird nicht müde es zu beschreiben: Jesus verweist Gott auf die Menschen und die Menschen auf Gott, er vermittelt Plätze im Paradies und er vermittelt Trost:

Nachhaltige Veränderungen für die Welt!

Gedanken zu den Lesungstexten

Jes 52,13 – 53,12: „Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten – Er wird Gerechtigkeit schaffen“. Jesaja beschreibt die Transformation für Welt und Mensch, die Gottes Eingreifen bewirkt. Leiden und Tod sind nicht sinnlos. Gerechtigkeit und Frieden wächst. Ein Bild mit Zukunft!

Hebr 4,14-16, 5, 7-9: Auch im Hebräerbrief wird betont, dass Jesu Leben und Leiden über den Moment hinausweisen: Über Tränen und Tod leuchtet die Verheißung der neuen Welt Gottes auf.

Beate Heßler, Dortmund

Links:

https://dasneueevangelium.de/

https://www.missio-hilft.de/mitmachen/glauben-teilen/gemeindeangebote/das-kreuz-von-lampedusa/

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