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8. Sonntag nach Trinitatis / 18. Sonntag im Jahreskreis(06.0817)

8. Sonntag nach Trinitatis / 18. Sonntag im Jahreskreis 2017 [III/A]

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Jes 2, 1-5 Jes 55, 1-3 Röm 8, 35.37-39 Mt 14, 13-21

Predigtgedanken

Es ist schon eine Weile her, seitdem die Dekade unter dem Thema  „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ beendet worden ist, doch die Themen sind aktueller denn je.  Sie finden sich wieder in den Texten dieses 8. Sonntags nach Trinitatis (ev.) und des 18. Sonntags des Jahreskreises (kath.). Allen Texten ist gemein, dass sie die Vision vom Reich Gottes am eigenen Lebenshorizont aufleben lassen. Beide alttestamentlichen Texte machen deutlich, dass es eine Trennung zwischen spiritueller Welt und realer Welt nicht gibt.

Jesaja 2, 1-5

Der erste Text in der Perikopenreihe der evangelischen Kirche, Jesaja 2, 1-5, steht unter dem Motto des Wochenspruches „Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“ (Eph 5, 8b-9).  Was bedeutet es „Kind des Lichtes zu sein, Gottes Kind zu sein?“  Dieser Frage möchte ich nachgehen und eine zweite anschließen:  Welches Ziel hat ein solches Leben? Welche Sehnsucht treibt uns als Christen an, die in einer unübersichtlichen Welt leben und die zurzeit unter dem Eindruck einer zerfallenden europäischen Gemeinschaft stehen (z.B. Brexit)? Dreißig Jahre zuvor hatten wir eine ganz andere Vision der Einheit von Staaten in Europa beschworen, um die Kriege zu vermeiden, die die vergangenen Jahrhunderte unseres Kontinentes geprägt hatten.

Der alttestamentliche Text beschwört eine großartige endgültige Friedensvision herauf, eine Völkerwallfahrt zum Zion; alle Völker, inklusiv der Heiden, werden zum Berg kommen. Gott wird sich ihnen zeigen, und als Konsequenz für dieses Friedensreich werden Schwerter zu Pflugscharen geschmiedet. Dieses Bild hat eine große Wirkung. Heute steht ein übergroßes Bildnis von einem Schmied, der ein Schwert zu einer Pflugschar umwandelt, vor der Uno in New York, an dem Platz wo sich alle Regierungen aller Völker dieser Erde zu Beratungen treffen, um Kriege zu vermeiden, zu verhindern und zu beenden.

Gottes Friede geht immer weiter und ist keinesfalls nur die Abwesenheit von Krieg, sondern ermöglicht das Leben in Frieden und Gerechtigkeit. Daran erinnert Jesus, wenn er seinen umfassenden Frieden den der römischen Besatzungsmacht entgegensetzt. 

Der Auftrag für Christen ist, an die Gotteskindschaft aller Menschen zu erinnern, die die gleichen Rechte haben, gleich welcher Hautfarbe,  Geschlecht oder Religion sie angehören und  jenseits aller Nationalitäten.  In letzter Konsequenz sind wir alle Bewohner und Bewohnerinnen des einen Planeten, der in Gottes Schöpfung hineingehört. Diese Vision aufrechtzuerhalten, immer wieder davon zu erzählen und sich nicht durch nationalistische Parolen abschrecken zu lassen, ist der Beitrag der Christen heute, als Kinder des Lichtes zu leben. Nicht nur davon zu reden, sondern auch gleichzeitig Friedensinitiativen zu stärken, Ideen zu entwickeln, wie Frieden dauerhaft ermöglicht werden kann: z.B. Investitionen in Bildung, vgl.  dazu, Projekte mit Kindersoldaten: www.kindernothilfe.de oder Materialien zum „red hand day“.

Die alttestamentliche Lesung Jesaja 55, 1-3 und Evangelium  Matthäus 14, 13-21 (kath.):  Für den Buchtitel „Haben oder Sein“ des Philosophen Erich Fromm könnte dieser alttestamentliche Text und die neutestamentliche Lesung Pate gestanden haben. Erschöpft sich unser Leben darin, dass wir Reichtümer anhäufen oder unser Geld in Produkte investieren, die unter unmenschlichen Bedingungen hergestellt wurden und die nach Gebrauch bald wieder entsorgt werden.  Wir tragen dazu bei, unsere Gesellschaft zu einer Wegwerf-Gesellschaft werden lassen.

Vgl. Papst Franziskus „Diese Wirtschaft tötet.“ Gottes Gegenentwurf für eine gerechte und friedliche Welt ist eine andere: Unsere Welt hat genug Güter, um alle Menschen satt zu machen und ihnen ein menschliches Leben zu ermöglichen. Voraussetzung: Gottes Angebot eines sinnvollen Lebens ernst zu nehmen, und auf sein Wort zu hören. Das bedeutet Abkehr vom Egoismus und das eigene Handeln als Beitrag für das Reich Gottes zu verstehen. In Jesu Verhalten wird das sichtbar. Er vertraute Gott bis in die letzte Konsequenz seines Handelns. In dem Evangelium dieses Sonntags wird das deutlich, in dem er die Menschen auffordert, das was sie haben, zu teilen.

Epistel: Römer 8, 35-37.39 (kath.): Diesen Text begreife ich als fundamentale Stärkung in unruhigen Zeiten. Bei uns wird dieser Text gerne zu Beerdigungen gesprochen.  Die Textzeile „ nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes“, gesprochen in Zeiten der Verfolgung, wie sie zum Beispiel  Christen in Syrien oder im Irak erleiden, entfaltet ihre Kraft schon im Diesseits.  Kann Gottes Nähe Kraft geben, in solchen Extremsituationen durchzuhalten? Hier können aktuelle Biographien von Christen aus dem Nahen Osten als Beispiele herangezogen werden. Außerdem ist zu reden von der Notwendigkeit einer Solidarität mit Flüchtlingen und Asylsuchenden über das Beten hinaus. Dies sollte thematisiert werden.

Elke Wedler-Krüger

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