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3. Sonntag nach Trinitatis / 13. Sonntag im Jahreskreis (02.07.17)

3. Sonntag nach Trinitatis / 13. Sonntag im Jahreskreis 2017 [III/A]

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Lk 15, 1-7 (8-10) 2 Kön 4, 8-11.14-16a Röm 6, 3-4.8-11 Mt 10, 37-42

Lk 15,1-7

Was ist mit den 99 Schafen? Sie grasen brav auf der Koppel, machen das, was sie tun sollen: Wolle geben und die Wiese flach halten. Zum Schluss dann werden sie geschlachtet. Die 99 Schafe machen alles richtig. Das sind wir, die Mehrheit, die in ihrem Leben alles recht machen will, ein paar Schnitzer hier und da vielleicht, aber insgesamt führen wir ein anständiges Leben. Das scheint aber unserem Hirten egal zu sein. Das eine Schaf, das, das wegläuft, und wieder gefunden wird, dieses eine Schaf, das freut den Hirten. Dafür setzt er seine gesamte Herde aufs Spiel, dafür gibt er ein Fest. Für die 99, also für uns, anderen nicht.

Um die 99 Schafe geht es nicht. Es geht um den Hirten, der alles richtig macht, denn er sucht, findet und freut sich. Dieser Dreischritt ist es, der den Hirten auszeichnet. Alles andere ist dem genialen Gleichniserzähler Jesus völlig unwichtig. Randaspekte. Und auch wir, die 99 Schafe, interessieren ihn in diesem Fall gar nicht.

Es ist dieser Dreischritt, um den es Jesus geht. Suchen, Finden und sich freuen. So ist der Hirte. So ist Gott. Er sucht uns, findet uns und freut sich über uns. Nicht wir starten diese Bewegung. Sie geht von Gott aus. Wir, die 99 Schafe auf der Weide, hat Gott schon längst gesucht und gefunden. Über uns freut er sich schon längst.

Es geht nicht um unsere Leistung, wie sonst in unserer Gesellschaft, nach dem Motto: Wohlverhalten bringt Glückseligkeit. Nein, schon längst sind wir von Gott gefunden, schon längst hat er seine Freude an uns. Wir, die 99 Schafe, sind schon längst in Gottes Wohlgefallen und wenn wir scheitern, dann wird Gott uns so lange suchen, bis er uns findet. Was für eine Freude!

2 Kön 4,8-11.14-16a

Bei Gott ist nichts unmöglich, auch ein Kind zu bekommen im hohen Alter. Das ist die einfache Lektion der Geschichte. Doch der Erzähler hält sich nicht umsonst mit den Details auf. Wortreich schildert er, wie das Gemach für den Gottesmann Elischa bereitet wird: Gemauert ist es, Bett, Tisch, Leuchter, für die damalige Zeit eine komfortable Wohnung. Die vornehme Frau setzt alles daran, Elischa mit seinem Wort Gottes eine Heimat zu bieten.

Die vornehme Frau von heute tut alles andere. Viel Aufwand betreibt sie, damit das Haus stilvoll möbliert und eingerichtet ist. Maniküre, Pediküre und Frisör, Wellness und Schönheitschirurgie bringen sie selbst in Form. Kunst und Theater bilden die Frau von Welt. Für einen wie den Propheten wird sie niemals ein gemauertes Obergemach einrichten. Er hat in ihrer Welt keinen Platz.

Aber davon erzählt die Geschichte: Dass eine vornehme Frau Platz lässt für den Propheten mit dem Wort Gottes. Dass sie ihn in ihr Leben lässt. Die Botschaft ist deutlich: Wir können nur die Wohnung bereiten für das Wort Gottes. Dann ist es das Wort selbst, das wirkt, das uns voranbringt. Vielleicht nicht immer in die Richtung, die wir anstreben, aber immer dahin, wo Gott uns haben möchte. Ein Geschenk wie das Kind in der Geschichte um den Propheten Elischa.

Röm 6,3-4.8-11

Das ist Paulinische Mathematik: Jesu Tod + Taufe = Auferstehung. So einfach löst Paulus die große Frage nach dem Leben nach dem Tod auf. Jesus ist gestorben, wir auf ihn getauft. Deshalb werden wir auferstehen, wie es vor uns Jesus getan hat. Einfache Mathematik.

Und doch fehlt uns der Glaube. All unser Streben, unser Ringen um finanzielle Bestätigung unserer beruflichen Leistung, unsere Suche nach Anerkennung durch all die Dinge, die uns angeblich hübscher machen und unsere Leistungen für andere sichtbar machen. All da soll wertlos sein und nur der Tod Jesu soll für unser Leben ausschlaggebend sein? Kaum zu glauben, aber in den Augen des Evangelisten Paulus so wahr wie eine Gleichung.

Wir müssen uns entscheiden, worauf wir setzen. Die Logik dieser Welt oder die Logik Gottes. Wollen wir uns der Macht des Geldes und des Konsums unterwerfen? Wollen wir den Wert des Menschen mit Besitz und Geld aufwiegen? Oder wollen wir Gott wirken lassen.

Bei Gott ist die Erlösung schon vollzogen, durch die Auferweckung Jesu. Mehr braucht es für uns nicht, damit wir das Heil finden. Und angesichts unseres Todes wird all unser Streben unnötig. Dann da zählt nur noch Gottes Macht.

Mt 10, 37-42

Harte Worte von dem, ach!, so gutmütigen Jesus. Bei der Frage nach der Nachfolge wird er radikal. Nichts soll zwischen Jesus und den Jüngern stehen. In der Zeit Jesu waren es die starken Familienbande, die Versorgung von Eltern, Großeltern, Geschwistern und Verwandten, die das Leben der Söhne und Töchter beherrschte. Sie waren zuständig für ihre ihren Unterhalt. Einfach so losziehen, wie das Jesus getan hat, wäre damals verantwortungslos und egoistisch. Und doch fordert Jesus eben das von seinen Jüngern. Das schwerste Opfer, das ein anständiger Junge, ein anständiges Mädchen bringen konnte.

In unserer Zeit sind es immer wieder einzelne, die Nachfolge so radikal verstehen. Sie führen ein geistliches Leben, in einem Orden oder als Priester. Die anderen suchen den Weg der Nachfolge in dieser Welt und da ist es meist die Familie, in der sich das Christliche am ehesten verwirklichen lässt. Daheim sind die Zwänge gering, die Beziehungen oft getragen von Sympathie und Nähe. Der Freizeitchrist ist ein guter Mensch.

Ganz anders in der Arbeitswelt. Dort ist Nachfolge Jesu schwer. Der Beruf zwingt uns Verhalten auf, unter dem nicht allein die anderen leiden. Ellenbogen einsetzen, Karriere um jeden Preis verfolgen, Unternehmensziele erreichen, das gehört zum Verhaltensrepertoire vieler Arbeitsnehmer. Nicht sie entscheiden über ihr Verhalten am Arbeitsplatz, sondern der Vorgesetzte und letztlich die Bilanz des Unternehmens. Die Arbeit verändert uns, macht uns zu einem anderen als der, der wir sein möchten. Die Arbeit macht uns zum Arbeitstier.

Jesus will die ungeteilte Nachfolge, nicht als Opfer, sondern als Befreiung von Fesseln und falschem Leben. Erst dann, wenn wir den wahren Menschen Jesus suchen, wenn wir seiner Spur in dieser Welt, auch der Arbeitswelt folgen, erst dann sind wir als ganzer Mensch auf der Spur Gottes und bleiben doch immer von der radikalen Nachfolge, wie sie Jesus fordert und die Jünger gelebt haben, weit entfernt.

Eckhard Raabe, Rottenburg

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