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2. Sonntag nach Trinitatis / 12. Sonntag im Jahreskreis (25.06.17)

2. Sonntag nach Trinitatis / 12. Sonntag im Jahreskreis 2017 [III/A]

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Mt 22, 1-14 Jer 20, 10-13 Röm 5, 12-15 Mt 10, 26-33

Allgemeine Erwägungen

Der 12. Sonntag im Jahreskreis folgt dem Leitbild „alle Völker sind eingeladen“. Dazu passt der Wochenpsalm 36, der den Reichtum der Güte Gottes beschreibt. Zentral dabei sind sicher die Vers 6 und 10: „Herr, deine Güte reicht soweit der Himmel ist, und deine Güte, soweit die Wolken gehen ... Denn bei dir ist die Quelle des Lebens und in deinem Lichte sehen wir das Licht.“

Es geht an diesem 2. Sonntag nach Trinitatis um die Frage, wo uns diese Güte Gottes begegnet und wie wir darauf reagieren. Und aus dem Blickwinkel von Matthäus 22 stellt sich die Frage, wie wir diese einladende Güte Gottes wahrnehmen, bemerken, erkennen?

Betrachten wir dazu die Texte der Kath. Reihe, wird deutlich, dass hier der Fokus noch schärfer darauf gerichtet ist, das Erbarmen Gottes trotz aller Schuld, aller Anfeindung, allen Zweifels, aller Not zu entdecken. Das gipfelt darin, dass Gott im Alten Testament zu den Propheten und im Neuen Testament durch Christus den Jüngern sagte, dass sie als seine Boten sich nicht fürchten und Sorgen machen sollten. Das gilt sowohl für die Botschaft als auch für das eigene Leben. Die göttliche Botschaft wird gehört, weil sich Gott zu denen bekennt, die sich zu ihm bekennen.

Gedanken zu den einzelnen Bibelworten

Im Matthäus-Evangelium lädt Jesus (Lukas: Richter; Matthäus: reicher König) zu einem großen Festmahl. Ich folge Günther Bornkamm (Jesus von Nazareth, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart u.a., 11. Auflage 1977; S. 15f.), wenn er das Ablehnen der Geladenen und die daraufhin ergehende Einladung an „... auf (den) Straßen ...“ (Mt. 22, 9) als Ablösung des alten Gottesvolkes und Einsetzen eines Neuen entdeckt. Die Härte der Worte des Gleichnisses (V 7 ff) steht eindeutig für die Radikalität des Wandels der Ausrichtung in alle Welt, zu allen Völkern.

Ich halte es daher in einer Predigt nicht für angezeigt, diese Radikalität in den Fokus zu rücken. Vielmehr gilt es, bezogen auf das Leitbild des Sonntags, der Frage nachzugehen, wie wir (wie ich) der Einladung Gottes begegne.

Der Erwählung Israels als Volk Gottes steht nun die Hinwendung zu den Nichtjuden gegenüber. Das bedeutet nicht, dass Gottes Volk ausgeladen ist. Das „hochzeitliche Gewand“ (V 12) stellt vielmehr so etwas wie eine Brücke zwischen beiden dar. Es ist das Zeichen der göttlichen Güte, die sich allen zuwendet. Und das lässt sich am klarsten in einem großen Festmahl darstellen, zu dem alle geladen sind.

Und wieder stellen sich diese Fragen, ob ich die Einladung höre und auch annehme.

Es ist keine moralische Frage, die hier gestellt wird.

Gefragt wird nach meiner Lebensentscheidung.

Vielfältige Linien lassen sich ins Heute ziehen (einige Themenfelder: was bedeutet mir Gastfreundschaft; wie sieht mein ökologischer Fußabdruck aus; heißt Toleranz für mich Beliebigkeit, oder entdecke ich darin Chancen für eine in einer bewahrten Schöpfung gerecht und friedlich lebenden Menschheit ...?).

Der Prophet Jeremia formuliert eine Klage, die in einen Dank mündet. Er sieht die Last seines Prophetenamtes (was er ja auch zuvor schon gegen seine Berufung „ins Feld führt“ – 1, 6ff). In ungeahnter Weise lassen diese wenigen Verse spüren, wie sehr der Prophet leidet. In seiner Verzweiflung (V 10b) gelingt es jedoch, die auferlegte Last zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen (V 11). Hier entdeckt der Prophet, den Auftrag Gottes zu hören, ihn zu verstehen und ihn anzunehmen, bedeutet einen radikalen Perspektivwechsel in der eigenen Haltung.

Diese Verse (10-13) beschreiben, wie der Prophet zum Prophet wird. Sie beschreiben, wie die Begegnung Gottes mit einem Menschen diesen nicht zerstört, sondern in ein neues Beziehungsgeflecht aufnimmt.

Zur Klage wächst der Dank hinzu, lehren diese Verse und stellen unser eigenes Leben auf diese Brücke zwischen dem Verharren in berechtigter Klage (über Lebensumstände, Leid, Not, Trauer, Tod ...) und dem Dank, zu dem uns die uns nie verlassende Güte Gottes bewegen will. Weder ist der Dank losgelöst noch ist die Klage alles in allem. Beides wächst dort zusammen, wo wir der Gottesbegegnung vertrauen.

Jeremia nimmt uns in seinem Worten mit in diesen Prozess des Zusammenwachsens.

Paulus beschreibt gegenüber der Gemeinde in Rom sehr deutlich, was er unter dem Perspektivwechsel hin zum Leben mit und aus Gott versteht. Der alte Adam muss sterben, damit der neue Mensch in Christus leben kann. Das Erkennen der eigenen Sündhaftigkeit ist nicht das Ziel. Es ist der erste Schritt dahin, aus der Gnade Gottes neu zu werden. Betrachten wir die V 13ff, so lässt sich entdecken, dass Gott mit der Menschheit (oder sagen wir besser mit der Welt) einen langen Weg zurücklegt: vom „... die Sünde war wohl in der Welt ...“ bis hin zur „... Gnade des einen Menschen Jesus Christus“.

Auch hier geht es erneut um einen Perspektivwechsel für die ganze Welt. Die tödliche Trennung von Gott wird aufgehoben in das Leben des Einen, der die Sünde überwindet.

Was hier in tiefen und starken theologischen Worten gefasst ist, lädt die Menschheit (die Welt insgesamt) dazu ein, der überwindenden Gnade von Tod und Auferstehung Jesu zu vertrauen.

 

Furchtlosigkeit, sich zu Gott zu bekennen, nicht zu verleugnen und schließlich mit Gewohnten zu brechen sind drei Motive der Nachfolge. Sie nehmen den ausgemachten roten Faden“ durch die Texte des 2. Sonntag nach Trinitatis/12. Sonntag Jahreskreis auch in Matthäus 10 auf.

Hier wird zur Nachfolge aufgerufen und schnell wird deutlich, NACHFOLGE ist nicht einfach. „Fürchtet euch nicht“ heißt es gleich mehrere Male zwischen den Versen 26-33. Wer nachfolgen will, sollte wissen, dass dies Konsequenzen hat (V 32ff).

Wer die Lebensperspektive wechselt, der begibt sich einerseits sozusagen auf Neuland, verlässt Gewohntes, ist bereit, zu überdenken, was bis hierher war.

Und auch in diesen Versen wird erkennbar: wer nachfolgt, Gewohntes sozusagen „über Bord“ wirft, mit der Vergangenheit bricht, kann dies nur, wenn er/sie unbeirrt der Güte Gottes vertraut. Das besagen in eindrücklicher Weise die V 35 und 36. Sie stellen keine Drohung dar. Das wären sie, wenn all unsere bisherigen Bindungen uns von Gott sozusagen isoliert hätten. Die Radikalität dieser Worte lässt sich also nur im Gegenüber mit der unverbrüchlichen Zusage Gottes verstehen, der bspw. im Joh. Ev. sagt „... ich bin der gute Hirte ... (er) lässt sein Leben für ... (die Seinen) ...“ (Joh, 10, 11).

Zusammenfassend

Die Texte der Ev. und Kath. Lesereihe für den 2. Sonntag nach Trinitatis / 12. Sonntag im Jahreskreis gruppieren sich um die Frage „wie wir der göttlichen Gnade begegnen“. Die Konsequenz daraus ist ein radikaler Perspektivwechsel, also eine Abkehr vom „alten Adam“ hin zu einem gerechten und friedlichen Leben in einer bewahrten Schöpfung.

Wie das funktionieren kann?

Die Kirche, die Ortsgemeinden, die Institution und der einzelne Glaubende sind aufeinander durch die in die Nachfolge Jesu Christi rufende Gnade Gottes bezogen. Kein Teil alleine ist in der Lage, diesem Ruf zu folgen. Es geht nur in der tragenden Gemeinschaft derer, die bereit sind, ihre eigene Lebensperspektive zu wechseln. Und wo könnte der Ort günstiger dafür sein als in der Gemeinschaft der Christen. Jede und jeder hört individuell für sich diesen Ruf, sammelt Erkenntnisse über eigenes Versagen, Schuld, Sünde. Doch nur in dieser tragenden Gemeinschaft kann es gelingen, die Last des Rufes Gottes aufzunehmen und zu meistern.

Detlev Besier, Speyer

Literatur

Günther Bornkamm (Jesus von Nazareth, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart u.a., 11. Auflage 1977

Dr. H-J. Reuther, Pfr., Erste Lesungen Jeremia 20,10-13 (www.georg-koeln.de)

Tagesimpuls – Erabtei Beuron (www.erzabtei-beuron.de)

www.bibelwissenschaft.de/bibelkommentar

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