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19. Sonntag nach Trinitatis / 29. Sonntag im Jahreskreis (22.10.17)

19. Sonntag nach Trinitates / 29. Sonntag im Jahreskreis 2017 [III/A]

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Mk 1, 32-39 Jes 45, 1.4-6 1 Thess 1, 1-5b Mt 22, 15-21

Mk 1,32-39

Wie sind die Nöte dieser Welt auszuhalten oder gar zu beseitigen? Wer hat dazu die Kraft? Wer bringt der Welt Heilung? Wohin führt der Weg, mein Weg?
Über viele Jahrhunderte wurden Krankheiten und Sünde eng miteinander verknüpft. Wer kann so eine Unheilsverbindung auflösen? Jesus sucht seine Spur, bindet sich an Gott, um seinen Weg und Kraft zu finden für das, was auf ihn zukommt. So erliegt er nicht der Übermacht der Katastrophen, sondern geht Schritt für Schritt weiter. Den Zusammenhang behält er im Auge: Predigt und Heilung werden zum Evangelium und künden das Reich Gottes.
Der Evangelist gibt hier eine gute und hilfreiche Anleitung, wie wir heute übermächtigen Problemen begegnen können: Hinschauen, innehalten, nachdenken, Kraft und Rückhalt erbitten und dann mit andern losgehen. Schritt für Schritt. Eines nach dem andern. Auf diese Weise können Strukturen der Sünde verändert werden, weil ihnen nicht ausgewichen wird. Aber es wird ihnen auch nicht unbegrenzte Macht zugestanden. Sinnesänderung und Handeln müssen zusammen kommen, damit etwas und jemand gesunden kann.

Jes 45, 1.4-6

Unterstützt Gott die Machthaber dieser Welt? Kann einer der Herrscher sagen, dass er der Gesalbte Gottes ist? Angesichts der Geschichte stimmt so eine Aussage bedenklich; eigentlich muss man sie ablehnen. Zu groß ist die Gefahr, dass selbst Herrscher, die viel Gutes für die Menschen erreichten, der Lust an der Macht erliegen und nur noch den eigenen Machterhalt im Blick haben. Auch diejenigen, die sich relativieren, die sich Gott verpflichtet fühlen, sind leider davor nicht gefeit. Zuviel Ungerechtigkeit wurde so schon in die Welt gebracht und nicht zuletzt mit Gottes Willen begründet.
Der biblische Text zeigt ein unbegrenztes Vertrauen Gottes in den Menschen, das sozusagen das Risiko, dass nicht alles gut geht, in Kauf nimmt. Aber es wird auch sehr deutlich, wem wir uns zu verantworten haben und woher unsere Macht kommt. Niemand anderer als Gott ist Herr und Gott. Das müsste eigentlich Hinweis genug sein, im Sinne Gottes zu handeln und die von ihm gegebene Macht verantwortungsvoll zu gebrauchen.
Für die Untertanen ist es ein Maßstab, nach dem sie ihren Herrscher beurteilen und gegebenenfalls zurecht weisen können. Es ist auch ein Maßstab für die Ordnung und Regeln, die er gibt. Ist in ihnen deutlich, dass uns Stärke und Kraft als Geschenk anvertraut wurde, mit dem wir verantwortungs-bewusst umzugehen haben?


1 Thess 1,1-5b

Wie zeigt sich Glaube, Liebe und Hoffnung?
Paulus verdeutlicht in seiner Einleitung des Thessalonicherbriefes, wie die drei Kardinaltugenden durch Menschen lebendig erfahrbar werden.
Glaube zeigt sich im Handeln, im Werk / im Wirken. Das was Menschen tun, mit und für die Nächsten, für die Schöpfung und für die Geschöpfe Gottes in der Gesellschaft und in der Welt, ist gelebter Glaube. Das klingt leicht und ist doch jeden Tag eine neue Herausforderung. Für wen und was stehe ich ein? Wo setze ich Maßstäbe und Grenzen? Glauben hinterfragt Sachzwänge und fordert ein Ende ergebnisloser Diskussionen. Glaube handelt um des Menschen willen. Nicht mehr und nicht weniger.
Liebe beschreibt Paulus mit Opferbereitschaft. Das ist sicher ein teil, weil Liebe nicht nach Ausgleich fragt, sondern das bedingungslose Geben an erster Stelle steht – oft genug ohne darauf zu achten, ob man selbst auf der Strecke bleibt. Die jesuanische Botschaft hat die Liebe zu sich selbst mit im Blick, weiß, dass man die eigenen Möglichkeiten mit beachten muss.  
Hoffnung bedeutet und führt zu Standhaftigkeit. Dran bleiben gegen Widerstände, die so unveränderlich erscheinen. Hartnäckig mit unverbesserlichen und sturen Mitmenschen diskutieren, sie durch Tun überzeugen und aufzeigen, dass es auch anders geht.

Glaube, Liebe, Hoffnung verändern Strukturen der Sünde, weil sie auf die Menschen schauen, das gute Leben in den Vordergrund stellen und nicht der Egozentrik den Vorrang geben. Alle drei suchen und führen in die Gemeinschaft, in der in Frieden gelebt werden kann.

Mt 22, 15-21

Wo fängt Sünde an? Schon bei der Absicht, bei der Frage oder erst bei der Ausführung? Wann kann ich noch inne halten, die Grenze beachten und umkehren? Strukturen begünstigen das unbedachte Weitermachen, das „nicht auf Einwände hören“, sondern stur das zu tun, was man schon immer so gemacht hat. Strukturen werden bewahrt und verstärkt durch Menschen, die sich in ihrer Meinung bestätigt fühlen. Strukturen bergen die Gefahr, dass Überzeugungen zu Ideologien werden, wenn sie den Menschen aus dem Blick verlieren.
Die Frage der Pharisäer bezieht sich auf eine strukturelle Ordnung und eine Antwort darauf entlarvt entweder als Obrigkeitstreu oder aufwieglerisch. Wer aber braucht eine solche Ordnung und wozu dient sie? Ein Kaiser lässt sich schnell mit Geld zufrieden stellen, vielleicht sogar kaufen. Und er kann es beliebig eintreiben aufgrund vorhandener Machtstrukturen.
Gott aber spricht die Menschen an, ohne Machtstrukturen zu benutzen. Gott zu geben, was Gott gehört, heißt, sich mit Leib und Leben ihm allein zuzuordnen. Im System von Unrecht nicht mitzuspielen. Deutlich machen, worum es eigentlich geht. Nachzufragen, welche Bedeutung dem Menschen zukommt. Zur Zeit des Matthäus hieß das konkret, gegen ungerechte Herrschaftsstrukturen aufzubegehren und auf die Freiheit, die Gott den Menschen schenkt, zu verweisen.
In einer globalisierten Welt heute sind das Kriterien eines partnerschaftlichen Umgangs zwischen den reichen und armen Ländern. Geht es um Strukturerhalt oder darum, dass Menschen leben können? Wozu dient das Geld letztendlich?
Gebt Gott, was Gott gehört: die Menschen, uns selbst.

Barbara Janz-Spaeth

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