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Miserikordias Domini / 3. Sonntag der Osterzeit (30.04.17)

Miserikordias Domini / 3. Sonntag der Osterzeit 2017 [III/A]

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Hes 34, 1-2 (3-9) 10-16.31 Apg 2, 14.22-33 1 Petr 1, 17-21 Lk 24, 13-35 (s. 24.3.)
od. Joh 21, 1-14

Hes 34, 1-10,16.31

Im Wesentlichen kommen hier zwei Aspekte oder Themen in Betracht:

  1. Haushalterschaft als Dienst des Menschen
  2. Intervention als Dienst Gottes

Im biblischen Sinne ist gute Haushalterschaft eine Lebensweise, bei der wir der verantwortungsvollen Gebrauch von den  uns von Gott überlassenen Gaben (wie Zeit, Fähigkeiten, materiellem Besitz, Ressourcen und Positionen) machen - mit dem Ziel, ihm zu dienen und sein Reich in dieser Welt zu mehren.
Wir besitzen zwar jeweils diese Gaben zur individuellen Verfügung. Ihre Nutzung ist uns aber nicht beliebig freigestellt. Wir sollen damit verantwortlich umgehen. Verantwortung aber bedeutet, dass wir Antwort geben müssen, wenn Gott uns fragt, was wir mit seinen Gaben gemacht haben.

Der Text stellt eine solche Verantwortungssituation dar. Gott kommt dabei zu einem vernichtenden Urteil: Die Haushalter haben auf ganzer Linie versagt und zwar durch

  • Kurzsichtige und eigennützige Verwendung der Ressourcen (Milch trinken, Wolle selbst verwenden)- rücksichtslose Ausbeutung der Ressourcen (Schlachten der fetten Tiere) – der Nutzung natürlicher Ressourcen ohne Beachtung der Folgewirkungen

  • - verantwortungslose Vernachlässigung der Ressourcen (Herde nicht auf die Weide führen, Kranke nicht heilen, Verletzte nicht verbinden …)

Die Hirten behandeln die Herde wie ihr Eigentum, obwohl sie nur die Verwalter sind. Sie beuten die Herde aus, die ihnen nicht gehört.

Dem Versagen der Eliten stellt Gott sein eigenes, fürsorgliches Handeln entgegen und sagt, wie es richtig und verantwortungsvoll gemacht wird. Weil sie auf ganzer Linie versagt haben, macht Gott die Herde wieder zur „Chefsache.

Bei der Betrachtung des Textes auf dem Kontext der Nachhaltigkeit dürfen wir allerdings nicht vergessen, dass es sich hier um ein Bild handelt, welches das Volk Israel mit einer Herde gleich setzt. Die Hirten sind in diesem Fall die geistlichen Eliten, denen das Volk von Gott anvertraut ist. Es ist jedoch durchaus legitim, dieses Bild auf alle anderen Lebensbereiche zu übertragen, bei denen Verantwortung im Spiel ist: Geistliche Leitung, Politik, Beruf, Familie…

Der Text weist auf zwei weitere biblische Texte hin, die das Bild des Hirten aufnehmen. Der erste Text ist Psalm 23. Der Psalm lässt erkennen, dass das Bild der Herde und des Hirten in der Antike nicht unbekannt war. Wenn Es heißt „Dein Stecken und Stab trösten mich“, so ist dies beispielsweise auch ein Hinweis auf die Insignien des ägyptischen Pharaos – den Krummstab und die Geißel. Alttestamentliche Herrscher im vorderen Orient haben sich häufig als (gute) Hirten ihres Volkes gesehen, deren Rolle es war, das Volk zu leiten, zu ernähren und zu schützen.

Über dieses Herrscherbild hinaus weisen „Stecken und Stab“ auch auf den Bischofsstab hin, die Insignie des geistlichen Leiters der Gemeinde. Seine Rolle ist mit der des weltlichen Regenten zu vergleichen – nur eben in geistlicher Hinsicht. Insofern sprechen diese Texte auch in unsere Gegenwart herein.

Der zweite Text, an den der Text stark erinnert, ist Joh 10, 11-18. Hier wird das Bild des verantwortungsvollen, guten Hirten mit Jesus personifiziert. Gleichzeitig ist dieses Wort Jesu die die Erfüllung der Verheißung aus Hes 34; Wenn es dort heißt: „Ich will mich selber um meine Schafe kümmern“, so sagt Jesus ganz klar „Ich bin der gute Hirte“ und „Ich gebe mein Leben hin für die Schafe“. Das heißt: Gott selbst trägt in Jesus Christus die volle Verantwortung für das Wohlergehen seines Volkes und seiner Gemeinde – bis hin zur Hingabe des eigenen Lebens.

Bezogen auf Nachhaltigkeit können wir hier wieder zurückkehren zum Bild von Herde und Hirten. Ob es nun um politische Verantwortung geht oder um geistliche Leitung oder um ökologisches Handeln:
Alles ist uns nur anvertraut, damit wir verantwortungsvoll damit umgehen. Verantwortungsvoll heißt: wir müssen bereit sein, uns vor unserem Auftraggeber zu verantworten. Wir müssen sagen können, was wir mit dem uns anvertrauten Gut gemacht haben. Haben wir es zum eigenen Vorteil ausgebeutet, vernachlässigt und verschludert? Oder haben wir es im Sinne unseres Auftraggebers gepflegt, genährt, gemehrt und bewahrt?

Hingabe des eigenen Lebens war für Jesus ganz wörtlich zu verstehen. Für uns kann es bedeuten, dass wir unsere eigenen Wünsche und Bedürfnisse auch hin und wieder in den Hintergrund stellen oder reduzieren müssen, wenn wir verantwortlich und nachhaltig handeln wollen.

Wenn uns das gelingt, dann erfahren wir den Zusammenhang zwischen verantwortlichem Handeln und Nachhaltigkeit und werden ihm zumindest ein Stück weit gerecht.

Kontexte

Segen

Gott sei dein Hirte,
der dir das geben möge,
was du zum Leben brauchst:
Wärme, Geborgenheit und Liebe,
Freiheit und Licht –
und das Vertrauen
zu ihm,
zu deinen Mitmenschen
und zu dir selbst.
Auch in dunklen Zeiten
und schmerzhaften Erfahrungen
möge Gott dir beistehen
und dir immer wieder Mut
und neue Hoffnung schenken.
In Situationen der Angst
möge er in dir die Kräfte wecken,
die dir helfen, all dem,
was du als bedrohlich erlebst,
standhalten zu können.
Gott möge dich
zu einem erfüllten Leben führen,
dass du sein und werden kannst,
wie du bist und und wie Gott dich gedacht hat.
So segne und behüte euch
der allmächtige und barmherzige Gott, U
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

In konkreter Verantwortung handeln heißt in Freiheit handeln, ohne Rückendeckung durch Menschen oder Prinzipien selbst entscheiden, handeln und für die Folgen des Handelns einstehen.“  (Dietrich Bonhoeffer)

Thomas Kohwagner, Lörzweiler

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