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Quasimodogeniti / 2. Sonntag der Osterzeit (23.04.17)

Quasimodogeniti / 2. Sonntag der Osterzeit 2017 [III/A]

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Joh 21, 1-14 Apg 2, 42-47 1 Petr 1, 3-9 Joh 20, 19-31

Themen und Verortung im Kirchenjahr

Als Nachklang des österlichen Hochfestes hat dieser Sonntag von Haus aus einen hohen Nachhaltigkeitsaspekt im Leben der Christen. Als sog. „Weißer Sonntag“, in Erinnerung an die Reinheitssymbolik des Taufkleides, war er lange Zeit Termin für das erste eigene öffentliche Bekenntnis in Konfirmation und Erstkommunion.

In allen Texten hallt die österliche Freude wieder. Die nachösterlichen Begegnungen mit dem Auferstandenen in und mit dem Heiligen Geist, bei allen Zweifeln, führen zu Bekräftigung und Erinnerung an die Teilhabe des „Heil-Seins/Werdens“ durch JC. Die eigene Taufe und die von Paten- / Kindern ist wohl für die meisten Menschen in unseren Großkirchen die nachhaltigste Verbindung zum Göttlichen, unabhängig von Austritt / Konfessionswechsel. Gott offenbart sich / begegnet uns nachhaltig im Alltäglichen. Gottes Gnade ist nachhaltig.

Einzelne exegetische Anmerkungen mit nachhaltigen Anregungen

Joh 21, 1-14

Unserer Gesellschaft, in der Zahlen gerne als „Haben“ verbucht werden (und auch wir als „Kirche“ drehen uns allzu oft darum drehen) werden hier Zahlen(symbolika) des „Seins“ entgegengesetzt. Von den 12 Jüngern sind (nur) noch 7 beieinander. Sie sind aufgebrochen aus Jerusalem, zurück in ihr altes „vorjesuanisches“ Lebensumfeld, zurück an die Arbeit. Hier begegnet ihnen der Auferstandene zum 3. Mal, nun ganz im Frust des Alltags. Alles Mühen war vergeblich, bis Vertrauen auf die Ansage eines Fremden und Glaube an das Außergewöhnliche wieder Raum bekamen. Am Morgen und dann noch so nahe am Strand lassen sich doch keine Fische fangen! Aber was gibt es denn noch zu verlieren? Eine kleine Erfahrung der Auferstehung im Alltag. 153 Fische, die Gesamtheit der damals dort bekannten Fischarten (Hieronymus), die Summe aller Arten der Natur (Pythagoras), die Anzahl der Kapitel in 1.- 4. Mose, eine Anspielung auf ein früheres heilvolles Geschehen in En Eglajim (=153) in Ez 47 und eine mathematisch in vielerlei Hin-Sichten besondere Zahl, die mit verschieden Seinsarten spielt. Ist es Zufall, dass die Kreditnummer für energieeffizientes Bauen bei der KFW „153“ ist? Die Zeit Jesus zu „haben“ ist vorbei, die Zeit mit Jesus zu „sein“ beginnt erst jetzt richtig. Im Tod bzw. der Auferstehung ist Jesus nachhaltig da, schon fast 2000 Jahre – im Leben ist mit Ihm zu Rechnen. Er ist spürbar (V.12), offenbart sich hörbar und greifbar in der Gemeinschaft und immer wieder nachhaltig erkennbar und schmeckbar in gemeinsamen Mahl-Zeiten. Brote und Fische – auch das bis heute nachhaltige greifbare Zeichen / Symbole mit alltäglich nährendem Charakter. Wer das Seine, in mit und für die Gemeinschaft tut wird der Gnade des Herrn zuteil. Jede/r nach seiner / ihrer Art. Der verrückte Petrus (nackt!) springt ins Boot und lässt den Fang Fang sein. Gut, dass da Andere sind und zupacken, damit der nicht verloren geht. So sollen Menschenfischer sein (s. Joh 20).

Apg 2, 42-47

Die Sammelberichte (V.42+47) sind wohl die nachhaltigsten im NT. Lehre, AM, Gebet und Lob in der Gemeinschaft haben das Evangelium bis heute, als größte und sogar noch wachsende Weltreligion am / im Leben erhalten. Planetary Theology, Befreiungstheologie und Theologie der Versöhnung mit Mensch und Schöpfung verweisen uns auf V.45. (s.o. „Sein statt Haben“). Vor- und Mitleben, Inklusion kann sicher geschichtlich mit der „Naherwartung“ abgetan werden und ist doch gegenwärtig von Bedeutung. Im „Weniger ist mehr“, im Teilen bekommt das Sein seinen Sinn. Es ist genug für alle da, wenn jede/r bekommt was er/sie braucht, aktiv Teilhabe erhält, weil „einmütig“ („Weltethos“) beieinander gewohnt wird.
Jede/r soll Teilhaben am Göttlichen. Hier wird in die Verantwortung gerufen, weltweit. Gut, wenn wir Hochwasser in unseren Breiten wahrnehmen und helfen. Besser, wenn wir uns bewusst machen, dass ganze Inseln samt Bevölkerung eine Lösung im Zuge der Klimaveränderung brauchen. „Handeln“ meint hier ganz sicher nicht, Welthandel im Sinne von TTIP. Damit teilen nur die Habenden, die sowieso schon die Ressourcen unseres Seins in der Welt mehr als zweimal verbrauchen. Nachhaltig leben im Sinne Jesu bedeutet wahr-nehmen und mit geist-reichen Wegen Über-Leben für Alle kompromisslos zu sichern.

1.Petr 1,3-9

Auch diese Auswirkungen christlicher Da-Seins-gestaltung gelten bis heute: Verfolgung, ganz handfest mit Blut gesprengt. Der 1. Petr setzt einen klaren Kontext. Ich stelle mir das vor: Da werden Christen neben mir abgeschlachtet, vielleicht Menschen aus meiner eigenen Familie. So ergeht es Flüchtlingen verschiedener Religionen und Konfessionen, die heute in großer Zahl bei uns Schutz suchen. Würde mich mein Glaube nachhaltig tragen? Welche Bedeutung hätte der Glaube an die transzendente / immanente Auferstehung dann für mich? Oder – welche Aufgabe zur gelebten Offenbarung (vgl. Joh 21) habe ich hier und heute? Welches „Gold des Glaubens“ zeigt sich im Schmelzofen dieses Feuers? Jenseits aller Anfechtungen ist das Ziel des Glaubens im „Heil“ sein schon erreicht. 1. Petr meint das sicher weder mystisch noch psychologisch, sondern ganz eschatologisch. Verweigere dich der Sünde, wie du in der Taufe dazu berufen bist. Stelle die Ehre Gottes und sein Lob über die weltliche Machtgeschichte. Stehe in der „verklärten“ / vollkommenen Freude, weil keine Bedrohung deiner und oder anderer Existenzen dich trennen kann von deinem neu geboren Sein in JC. Als nicht Verfolgte haben wir vielleicht andere Aufgaben (s. Joh 21).  Vielleicht sollen wir die sein, die andere aus dem Meer herausfischen, die, die zugreifen jenseits jeder realen Chance – weil „ihr habt Ihn nie gesehen, dennoch liebt Ihr ihn.“ Die Bewä(a)hrung der Hoffnung wird ihre Erfüllung finden. Diese Hoffnung ist nachhaltig bis über das Leben hinaus.

Joh 20,19-31

Dieser Text korrespondiert dem 1. Petr mit „selig, die nicht sehen und doch glauben“ und „Fürchtet euch nicht“. Wir müssen diese Ansage nicht so hören, als würde Thomas´ Weg zum Glauben weniger Wert sein! Es ist sein Weg (s. Joh 21). Auch dieser Text spricht von „Taufe“ – Vorblick auf das kommende Pfingstfest im Kirchenjahr. Keinesfalls der Geburtstag der „Kirche“, wie wir sie kennen, sondern der Geburtstag der Verkündigung, der Begnadung durch den Geist, ganz ohne Taufwasser. Wer immer den Herrn greifbar oder/und im Geist erkennt, wem sich Gott, in welcher Form auch immer (s. Joh 20) offenbart, der wird/ist zur Sendung/Verkündigung im glaubenden Leben, im glaubhaften Leben, im lebend(ig)en Glauben berufen. Das Erkennen des Göttlichen wird so nachhaltig im Leben weitergetragen. Ebenso nachhaltig, i.e. offensichtlich selbst verständlich zum lebendigen Glauben zugehörig ist der Zweifel und die immer wieder neue Wahrnehmung der Herzen öffnenden Offenbarung und Sendung (durch alle Texte hindurch). Hier geht Johannes noch weiter! Die Absolutionsvollmacht oder eben die Verweigerung der Vergebung gehört auch dazu. Konkrete Kriterien dazu gibt er allerdings keine. Vielleicht kann das, seit fast 600 Jahren nachwirkende Gebet des Nikolaus von der Flüe, das den erkennenden Ausruf des (ungläubigen) Thomas (V.28) aufnimmt, eine Richtlinie sein: „Mein Herr und mein Gott, nimm Alles von mir, was mich hindert zu Dir. Gib Alles mir, was mich fördert zu Dir. Nimm mich mir und gib mich ganz zu Eigen Dir.“

Silvia Knoll

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