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Kantate / 5. Sonntag der Osterzeit (14.05.17)

Kantate / 5. Sonntag der Osterzeit 2017 [III/A]

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Mt 21, 14-17 (18-22) Apg 6, 1-7 1 Petr 2, 4-9 Joh 14, 1-12

Die Autorin entwickelt ausgehend vom Namen des Sonntags Gedanken zu einem an Nachhaltigkeit orientierten Leben in Gemeinschaft: Lob Gottes als Ausdruck eigener Geschöpflichkeit, Leitung durch Partizipation, Kritische Distanz zu gesellschaftlichen Überzeugungen und Trost durch Nachfolge.

Bezüge zum Thema Nachhaltigkeit

Die Zusammenschau aller Texte legt unter dem Akzent des Sonntags „Singet“ nahe, davon zu sprechen, was eine Gemeinschaft stärkt, die vom Leben erzählt und zum Leben hinführen möchte. Lob als Ausdruck von Dankbarkeit und Freude über das, was ihr geschenkt ist (und nicht selbstverständlich zur Verfügung steht). Aufteilung der (Leitungs-) Aufgaben im Sinne von Beschränkung der Arbeitsleistungen der Einzelnen zugunsten einer erhöhten Verantwortung für Viele. Gemeinsames Vertrauen auf Christus und kritische Wahrnehmung der gesellschaftlichen Maßstäbe bei der Entwicklung des eigenen Hauses (oikos). Trost und Ruf in die Nachfolge als Motivation, Veränderungen der Gemeinschaft durch Anknüpfung an bislang Erfahrenes positiv zu begegnen. So können die Elemente eines menschengerechten Selbstverständnisses im Zusammenleben (nach A. Rich, Wirtschaftsethik) entfaltet werden: Geschöpflichkeit, Partizipation, kritische Distanz, Relationalität

Homiletische Impulse zu den einzelnen Bibelstellen

Mt 21, 14-17

„Laudato si“, oft mehr gegrölt als gejubelt, aber mit unglaublich viel Spaß gesungen, alle Strophen, und noch mal von vorn: Kinder und Jugendliche loben Gott mit kindlicher, unbefangener Freude – und bei allen Beteiligten entsteht etwas wie eine tiefe Gewissheit, dass Gott es gut mit dieser Welt meint. Staunen ist die begleitende Haltung, die Wunder für möglich hält und Wunder im Alltäglichen wahrnimmt.

Aber stimmt das? „Ein Haus am Meer. Ein Alptraum für bengalische Bauern“ lautet ein Plakat von Brot für die Welt. Ein Haus am Meer – wunderbare Vorstellung für viele von uns – und dann der blitzschnelle Szenenwechsel: Klimawandel, Überflutungen, Alpträume von Zerstörung nicht nur für Bauern. Schreckensbilder, mittlerweile immer öfter auch bei uns, vor der Haustüre oder in Nachbarstädten.

Können nur noch Unmündige Gott loben? Was brauchen (auch religiöse, fromme) Erwachsene, um Wunder zu sehen, zu würdigen, in das Lob Gottes einzustimmen und zum Frieden/zur Gerechtigkeit beizutragen?

Aber auch: Wenn Jesus seine Gegner konfrontiert und dann stehenlässt, sich selbst aber zurückzieht und zur Ruhe legt: Welche Kämpfe um das, was wir als Gemeinde tun, können wir bleibenlassen? Wann können wir das Reden genug sein lassen?

Apg 6, 1-7

Probleme in der Gemeinschaft entstehen auch durchs Wachsen (!), weil neue Aufgaben zu bewältigen sind. Die bisherigen Leitungsstrukturen reichen nicht mehr aus, damit alle in der Gemeinschaft zu ihrem Recht kommen. Wenn z.B. die Tafeln aktuell davon berichten, dass unter ihren Kunden Verteilungskämpfe zwischen „Alten“ (Hartz IV Empfänger usw.) und „Neuen“ (Flüchtlinge) entstehen: Welche geänderten Dienste sind erforderlich? In der Apg. lassen die, die bisher das Sagen hatten, die, die es betrifft, mitentscheiden, wie das Problem gelöst werden kann – und machen zugleich deutlich, wo die Prioritäten ihrer eigenen Arbeit liegen. Welche verantwortlichen Menschen können wir für die geänderten Aufgaben beauftragen und segnen?

1. Petrus 2, 4-9

Lebendige Steine? Das ist eine paradoxe Vorstellung. Bei den Kakteen gibt es eine solche Sorte: nur wenn sie blühen, sind sie von ihrer unwirtlichen Umgebung zu unterscheiden. In Christus gegründeter Glaube kann versteinerte Verhältnisse aufbrechen, Wüsten zum Blühen bringen, Handeln verändern, den Tod überwinden. Tote Steine erfahren keine Anfeindung und Kritik. Lebendige Steine erregen Anstoß. Deshalb bedarf es der dauerhaften Verbundenheit mit dem Eckstein Jesus Christus, der das Fundament zusammenhält. Auf ihn kann das Gebäude aufgebaut werden.
Handwerker legen die Steine in bestimmten Formen zueinander, damit sie Verbände bilden, die sich gegenseitig stützen. Auch lebendige Steine benötigen wie ihre Geschwister, die Bausteine, den Verbund mit anderen, damit ihre Gemeinschaft geistvoll, lebendig bleibt. Vor allen Strukturen, Finanzproblemen oder Rechtsordnungen ist die Orientierung an Christus wichtig. Sie erst ermöglicht es, den Wert des Bestehenden zu erkennen und dennoch Neues zu schaffen. Was bewegt unsere Herzen, wo spüren wir, dass sie nicht hart und kalt wie Stein sind, sondern dass sie mit unserem menschlichen Gegenüber mitempfinden, auch wenn er oder sie uns fremd zu sein scheint?

Joh 14, 1-12

Diese Worte stehen bei Johannes unmittelbar nach der Ankündigung der Verleugnung. Bedrohung der Gemeinschaft von innnen, bevorstehende Trennung, Gründe zu erschrecken und Angst zu haben. Die Orientierungslosigkeit der Jünger wird hörbar: Sie wissen nicht, wo er hingeht, sie wissen nicht, wie sie den Weg finden sollen, sie sehen den Vater nicht, von dem Jesus spricht.
Angst ist ein schlechter Ratgeber, dem Vertrauen nicht immer standhalten kann. Deshalb lenkt Jesus ein: Dann schaut auf meine Werke und ordnet sie ein, versucht diese auch zu tun und messt meine Liebe am Erfolg, den Euer Bitten und Handeln haben wird. Die Zukunft ist euch sicher. Welcher Trost erreicht unsere Gemeinden heute? Was hält uns zusammen trotz Angst und Bedrängnis? Welche Werke gibt es für andere zu sehen, die sie ermutigen und neugierig machen können auf Christsein heute?

Kantate

Der Aspekt der Gemeinschaft, in der nicht jede/r das Gleiche hat, sondern jede/r das, was Sie/er braucht, um in Christus dazu zu gehören, kann durch entsprechende kirchenmusikalische Gestaltung des Sonntags vertieft werden. Liedgut, das unterschiedliche Hörgewohnheiten berücksichtigt, Singen im Wechsel oder im Kanon, gerappte Gebete ebenso wie Chorsätze oder Lobpreislieder: gerade an diesem Sonntag sollte das Wort von der Musik im Sinne ganzheitlichen Verstehens begleitet werden.

Anke Kreutz, Altenkirchen

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