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Laetare / 4. Fastensonntag (26.03.17)

Laetare / 4. Fastensonntag [III/A]

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Joh 6, 55-65 1 Sam 16, 1b.6-7.10-13b Eph 5, 8-14 Joh 9, 1-41

Predigttexte Laetare 26.3.2017
SolarlampeKroneDie Salbung Davids zeigt: es geht um die Beschaffenheit des Herzens und nicht um Äußerlichkeiten. Als Kinder des Lichts zu leben (Eph 5) bedeutet entsprechende Früchte hervorzubringen. Das wird anhand der Aktion Lichtbringer veranschaulicht, in der es um Solarlampen geht. Sich von der Wahrheit die Augen öffnen zu lassen (Joh 9), heißt zu Pionieren des Wandels zu werden. Wer sich auf dem Ökumenischen Pilgerweg für Gerechtigkeit und Frieden einsetzt, kann vom Brot des Lebens zehren (Joh 6).


1.Sam 16,1-13

Gottes Auge sieht anders als der Mensch
„Fürwahr, da steht vor dem Herrn sein Gesalbter“ (V6) – so dachte Samuel als er Isais’s Sohn vor sich sah. Aber „Gott muss ihm förmlich in den Arm fallen und ihm klar machen, dass für seine Wahl andere Kriterien gelten als die gesellschaftliche Normen“. 1

Ein Sohn nach dem andern tritt vor Samuel, aber: „Der Herr hat keinen von ihnen erwählt.“ Da war noch der Jüngste, den aber keiner in Betracht gezogen hatte. Der hütete wie das damals kleine Jungen zu tun pflegten die Schafe. Samuel weigerte sich an der vorbereiteten Tafel Platz zu nehmen bis dieser unscheinbare jüngste Sohn herbei geholt worden war. Kaum ist er da, vernimmt Samuel den Auftrag Gottes: „Auf, salbe ihn, denn er ist’s.“ (V12)

Sein statt Schein
Welch ein Kontrast bietet die Geschichte des jungen David zur heutigen Zeit, in der Design, Marken und Mode eine derartige Rolle spielen, dass sich Kinder fast schon minderwertig vorkommen wenn sie nicht entsprechende Klamotten tragen. Ohne all solche Äußerlichkeiten wurde David direkt von der Weide kommend in der Kleidung eines einfachen Schafhirten gesalbt und damit zum König bestimmt.

„Gerade im Widerspiel zu dem gut aussehenden, groß gewachsenen und kraftvoll-starken Eliab ist dies keine Huldigung an das gängige männlich-muskulöse Schönheitsideal.“ 2

Hier ist an die ganze Bandbreite zwischen Sein und Schein zu denken, an Schönheitswettbewerbe und Schönheitsoperationen, die immer mehr Zuspruch finden.

Einfluss, Image, Trend und Macht sind keine Orientierungsmarken für Gott
„Der Geist des Herrn geriet über David von dem Tag an.“ (V13) Eine geistlich sehr erfahrene Frau, die gemeinsam mit ihrem Mann eine große christliche Gemeinschaft leitete, äußerte: Gott hat meist die Menschen zu uns geschickt und mit einer Aufgabe betraut, an die wir selber am wenigsten dachten.
Wir tun gut daran wach und hellhörig dafür zu sein, welche Menschen Gott mit besonderen Aufgaben versehen will. „Worauf es Gott bei der Wahl eines Menschen in eine Führungsfunktion ankommt, ist nicht die äußere Erscheinung des Betreffenden, sondern die Beschaffenheit seines Herzens (in Zeiten der Telegenität ein noch viel mehr zu beherzigender Grundsatz).“ 3

Manchmal kann es sogar nötig sein alles anzuhalten, so wie Samuel sich weigerte an der Festtafel Platz zu nehmen – bis die Angelegenheit geklärt war. Das kann – wie im Fall Davids - durchaus zu erstaunlichen Resultaten führen. Denn „der Mensch sieht das Gesicht, der Herr aber sieht das Herz.“ (V7) Bei Gott gilt Sein statt Schein.


Epheserbrief 5,1-8


Lebt als Kinder des Lichts!
Für die Fasten- und Passionszeit ist das ein passender Text – um in sich zu gehen und innerlich Bilanz zu ziehen. Der Text lebt vom Gegensatz zwischen Licht und Dunkelheit: „Früher ward ihr Finsternis; jetzt seid ihr Licht im Herrn“. (V8)

„Wer ‚in Christus‘ ... ist, der ist im Licht. Die Aufforderung appelliert an die Bemühung, diesem Zustand entsprechend zu handeln, um in Übereinstimmung mit dem eigenen Sein zu leben.“ 4 Darum ergeht die Aufforderung: „Prüft, was dem Herrn gefällt“. Wie ein Baum Früchte hervorbringt, so erwächst aus dem Licht „Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit“.

Gerade die klassischen Bußzeiten, die Fasten- und Passionszeit wie auch die Adventzeit bieten reichlich Gelegenheit intelligente Alternativen zum sog. Mainstream zu entwickeln.

Aktion Lichtbringer – Licht schenken statt verschwenden
Wir haben als Kirchengemeinde die „Aktion Lichtbringer – Licht schenken statt verschwenden“ entwickelt. Es geht um Solarlampen, die als Leihlampen in Haushalten ohne Stromanschluss eingesetzt werden. Damit werden Familien in die Lage versetzt Geld anzusparen - das sonst für Petroleum, Batterien und das Aufladen von Handys ausgegeben wird - um selber eine Solarlampe kaufen zu können. Dafür sind schon mehrere hundert Leihlampen im Einsatz. Solarlampen ermöglichen abends noch für die Schule lernen und für den Lebensunterhalt sorgen zu können.

Zugleich ist das Solarlicht auch ein Zeichen für das Licht, das uns allen in Christus leuchtet. Zudem trägt es auch zur Gerechtigkeit in der Welt bei, die in Vers 9 als eine „Frucht des Lichts“ bezeichnet wird. Wahrheit ist eine weitere Frucht des Lichts und meint im biblischen Sinne, dass auf etwas Verlass ist. Vor allem die schwachen Glieder Christi sollen sich auf uns verlassen dürfen, nicht im Dunklen sitzen zu müssen.

Die Aktion Lichtbringer ist ein Beispiel wie Menschen und Gemeinden ihrer Berufung nachkommen können als Kinder des Lichts zu leben (Eph 5,8) - indem sie verbesserte Möglichkeiten für Gesundheit, Bildung und auch der ökonomischen Entwicklung eröffnen und sich als Geber zugleich einüben in eine Verantwortung für das Allgemeinwohl in der Welt. Die Verbreitung von Solarlicht ist zugleich ein Beitrag für den Umweltschutz. Nähere Informationen siehe http://www.geistreich.de/experience_reports/2143?c=1 Und auch http://www.ev-kirche-steeden.de/?p=3767


Johannes 9, 1-41


Vor der Wahrheit die Augen zu verschließen,

das führt zu geistiger Blindheit, ja ins Unheil. Wer die Zeichen der Zeit ignoriert - sei es die Blindenheilung durch Jesus, sei es Artensterben und Erderwärmung – der ist auf einem gefährlichen Weg. Denn damit vollzieht sich „Gericht in dieser Welt.“ (V39)

Es fällt auf mit welcher Penetranz die Heilung des Blinden in Frage gestellt wird. „Die Wunderskepsis dieser Szenen … mutet fast schon modern an.“ 5 Nachbarn erklären es handle sich um eine Verwechslung: der Geheilte sehe dem Blinden nur ähnlich (V9). Die Pharisäer bezweifeln die Heilung. Sie befragen seine Eltern. Die aber bestätigen, dass ihr Sohn blind geboren wurde nun aber sieht (V 20f). Aus Angst vor Sanktionen wollen sie dazu nicht mehr sagen. „Denn die Juden hatten sich schon geeinigt: wenn jemand ihn als den Christus bekenne, der solle aus der Synagoge ausgestoßen werden.“ (V22)

Die Pharisäer stellen ein Ultimatum und wollen den Geheilten auf ihre Linie zwingen: „Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist.“ (V24) Da sich der Geheilte aber ihrer Sicht nicht unterordnet, stoßen sie ihn aus der Synagoge und damit aus der Lebensgemeinschaft und Gesellschaft aus.

Die Erzählung ist ein Paradebeispiel wie Menschen in ihrer Sicht der Welt gefangen bleiben.

1. Indem sie Jesus, der Anstoß zur Veränderung bringt, diskreditieren: „Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält.“ (V16)

2. Die Tatsachen werden infrage gestellt: der Mann war gar nicht blind, V 18.

3. Vor Abschluss der Untersuchungen steht schon ein Geheimplan mit dem Ziel fest ihn aus der Synagoge auszustoßen.

4. Mit Spott und Beschimpfungen („Du … ganz in Sünden geboren …. lehrst uns?“) wird sein Ausschluss vollzogen (V 34).

Das erinnert an Situationen, in denen Menschen heute Repressalien ausgesetzt sind, weil sie sich z.B. für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen einsetzen.


Dazu ein aktuelles Beispiel, das für vieles heute stehen kann:

Autoindustrie: taktieren, tricksen, täuschen
Die Deutsche Umwelthilfe deckte auf, dass viele Diesel-Pkw weit überhöhte Grenzwerte ausstoßen. In einem Schreiben der Deutschen Umwelthilfe vom 10.5.2016 heißt es: „Vier Monate leugnete die Autoindustrie das Vorhandensein von Abschalteinrichtungen in ihren Fahrzeugen. Erst als die DUH erdrückende Belege … vorlegte, gaben Mercedes und … viele weitere Hersteller zu, die NOx-Abgasreinigung …. zum Teil komplett einzustellen.“ „Dabei wurde die DUH von drei deutschen Herstellern massiv bedroht.“

Man fühlt sich an das Verhalten der Pharisäer erinnert: „Die Automobilindustrie und die Politik tun alles in ihrer Macht stehende, um unsere Aufklärungs-Aktivitäten zu verhindern: Wir werden bei den Messungen behindert…. Prüfstandsdaten für in Deutschland zugelassene Fahrzeuge wurden uns verweigert. …. Besonders absurd: Minister Dobrindt hat angeordnet, dass seine Beamten keinen Kontakt zur DUH halten dürfen. … Gleichzeitig treffen sich … die Beamten … fast täglich mit den Autobauern.“ Damals stieß man den Geheilten aus der Gesellschaft aus, heute verweigert man Einsicht in die Aktenlage und sucht zudem der Öffentlichkeit Sand in die Augen zu streuen.

Die Pharisäer weigerten sich das überkommene Gesetz des Moses neu zu bewerten, hielten am Althergebrachten eisern fest. Als Parallele sehe ich dazu die Weigerung angesichts der Grenzen unseres Planeten Wirtschaft neu zu denken. Vor allem Profitgier macht dafür blind.
Wer aber die Zeichen der Zeit ignoriert und systematisch ausblendet, dem droht ein vergleichbares Schicksal wie den Pharisäern: mit Blindheit geschlagen und daran zugrunde zu gehen.

Der Geheilte glaubt an den Menschensohn, der in Jesus vor ihm steht, er wird zu einem „Sohn des Lichts“ (12,36). Nachdem er äußerlich sehend geworden war, wird er nun zu einem Sehenden im Glauben.

„Glaube ist eine Art Sehschule,
um … die Kunst der genauen Wahrnehmung zu lernen.“ 6 Als Christ heute dem „Licht der Welt“ (V5) nachzufolgen, beinhaltet auch sehen zu lernen, was wir durch unsere Lebensweise anderen an Schaden zufügen. Das ist sicherlich nicht immer ein angenehmer Prozess, vor allem nicht für jene, die auf der soge. Sonnenseite des Lebens leben. Aber Menschen, die sich an Jesus als dem „Licht der Welt“ (V5) orientieren, sind herausgefordert als Kinder des Lichts zu leben, d.h. eine Lebensweise zu entwickeln, die für die Menschheit als Ganzes zukunftsfähig ist.

Pioniere des Wandels
Auf dem 6. Klimaempfang des hessischen Umweltministeriums sprach Frau Dr. Paulin, Generalsekretärin des ‚Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen‘. Sie sagte, es komme darauf an Pioniere des Wandels zu sein – umzusteuern bevor die Klimakatastrophe dramatische Ausmaße annimmt. Möge uns der Glaube die dazu nötige Weitsicht und Kraft geben indem wir uns auf Jesus als Licht der Welt ausrichten und unsere Augen aufgetan werden – damit die Welt nicht durch wirtschaftliche Interessen zugrunde gerichtet wird. Das könnte in der Predigt anhand von aktuellen Beispielen durchbuchstabiert werden.


Johannes 6,55-65


Sich verzehren - ohne burnout Syndrom
„Wer mein Fleisch und  Blut verzehrt, der verbündet sich mit mir in meinen Tod…. Das hat Konsequenzen…. Wer mich verzehrt, wird sich mit mir verzehren“. So deutet K.B. Bieretz Vers 56. 7 Das lässt sich auf den Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit im Sinne es vom Ökumenischen Rates der Kirchen aufgerufenen Pilgerweg beziehen. Es kann von Menschen gesprochen werden, die in ihrem Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit vom Brot des Lebens zehren – statt Erfüllung und Leben in ausuferndem Konsum zu suchen.

Gerade die Fasten- und Passionszeit bietet Gelegenheit zu fragen wovon wir eigentlich leben. Aus Jesu Kraft zehren um sich im Einsatz für den Erhalt der Schöpfung zu verzehren: das kann in kleinen Schritten beginnen, sei es in der Fastenzeit die Ernährung umzustellen, eine andere Art der Mobilität zu praktizieren etc...

Sich für eine gute Sache zu verzehren – ohne mit einem burnout Syndrom zu enden – das gelingt wenn wir von Jesu Kraft zehren: Denn „wer diese Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.“ (V 58) Von dieser Kraftzufuhr ist zu reden.

Andreas Krone, Runkel-Steeden

Anmerkungen
1. Walter Dietrich, in: Biblischer Kommentar Altes Testament, Samuel VIII/2,3, NeunkirchenVluyn 2012, 224
2. W. Dietrich 233
3. W. Dietrich 225
4. G. Sellin, Der Brief an die Epheser, Kritisch-exegetischer Kommentar über das Neue Testament, Göttingen 2008, 401f
5. Christian Böttrich, GPM 2013, Nr. 67, S 346
6. Christian Böttrich, S 349f
7. K. Bieretz, GPM 2011, Nr. 65, 181

 

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