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Reminiszere / 2. Fastensonntag (12.03.17)

Reminiszere / 2. Fastensonntag [III/A]

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Mt 12, 38-42 Gen 12, 1-4a 2 Tim 1, 8b-10 Mt 17, 1-9

Der Verfasser betrachtet alle vorgesehen Predigtperikopen. Stichworte zur Nachhaltigkeit, insbesondere zum Jahresthema: „Strukturen der Schuld“:

In den oben genannten biblischen Texten spiegelt sich das Jahresthema „Strukturen der Schuld“ in sehr eindringlicher Weise.  So verweist in Mt 12 Jesus darauf, dass diese Generation Zeichen fordert, aber sie erkannte schon Jona nicht und kehrte nicht um. In Gen 12 erfahren wir durch Abraham, dass es not – wendend sein kann, sein gewohntes Feld, sein Umfeld zu verlassen, um zum Segen werden zu können, um Neues bewirken zu können. Im 2. Timotheusbrief zeigt Paulus deutlich, dass Umkehr, Nachfolge, Änderung auch sehr schmerzhaft sein kann, was in Mt, 17, 1ff offenbar wird.  Es ist noch nicht die Zeit, sich häuslich einzurichten.  Es ist die Zeit, wie Mose und Elia gegen ungerechte Strukturen aufzustehen und deshalb heißt es für die Jünger, vom Berg hinabzusteigen und mit Jesus den Weg gegen das Leiden der Welt zu Ende zu gehen.

Stellung im Kirchenjahr
Es handelt sich um den zweiten Fastensonntag. Es ist die Zeit der Selbstbesinnung, der Besinnung darauf, was in unserem Leben wirklich wesentlich ist. Angesichts der wirtschaftlichen und humanitären Krisen, die durch die Flüchtlingsströme auch bei uns spürbar und greifbar werden, ist die Fastenzeit für jeden Christen eine Chance, seinen Blick nicht zu verschließen, seinen Blick auf die Ungerechtigkeiten und die Strukturen der Ungerechtigkeiten zu richten in die wir alle verstrickt sind.

Mt 12, 38 -42
Exegetische Hinweise
Hier handelt es sich um die erste Zeichenforderung  durch die Gruppe der Pharisäer, die damit direkt auf die Gerichtsrede Jesu gegen sie antworten.

Assoziationen
Zeichen erwarten wir, um unserer Sache sicher zu sein. Gott hat viele Zeichen gegeben, um sich uns zu zeigen, um zu zeigen, wie anders und gut seine Gerechtigkeit ist, sowohl im alten, wie im neuen Bund. In der Regel nehmen die Menschen diese Zeichen nicht wahr oder wollen sie nicht wahrhaben. So auch hier die Pharisäer.

Die Bewohner von Ninive bekehrten sich und änderten ihr Leben und nun tritt Jesus auf, der mehr als Jona ist.

Wer Jona nicht erkannte und anerkannte wird auch Jesus nicht erkennen und anerkennen, wird in der Ungerechtigkeit und Selbstbezogenheit weiterleben. Die Zeichen der Propheten, die Zeichen der Zeit, die Zeichen Gottes heute zu erkennen, das scheint der Weckruf Jesu an uns heute zu sein. Papst Franziskus mit seinem Einsatz für gerechte Strukturen ist ein menschlicher Wegweiser hin zu neuen Ordnungen, jeder, der sich dafür einsetzt, die Strukturen der Schuld in unserer Gesellschaft zu zerbrechen, ist ein moderner Prophet.


Gen 12, 1 -4a
Exegetische Hinweise      
Mit Genesis 12 beginnen die Väter – und Müttergeschichte. In Gen 12 – 25 finden wir den Abraham – Sara – Zyklus. Diese Erzählungen sind im Verlauf von mehreren Jahrhunderten entstanden

Assoziationen
Abraham muss sein vertrautes Umfeld auf Weisung Gottes verlassen. Wäre so etwas heute vorstellbar? Alles verlassen, ändern, damit es zum Segen wird?  Dagegen stehen wohl unsere Bestrebungen alles so zu lassen wie es ist, denn wir haben uns ja gut eingerichtet. Man nennt es Beharrungsvermögen.  In dieser Geschichte wird deutlich, dass die Liebe und Fürsorge Gottes nicht nur dem Einzelnen (Abraham) zukommt sondern der ganzen Welt. Darum ist es notwendig, immer wieder aufzubrechen, auf den Weg zu gehen, aber auch Strukturen aufzubrechen, die sich verfestigten und nur noch wenigen zugutekamen. Hier spüren wir etwas vom geistlichen Geheimnis des Fastens, obwohl das Wort ja gar nicht vorkommt: Je mehr wir uns aus den Abhängigkeiten und bequemen Selbstverständlichkeiten lösen, umso mehr werden wir zum Segen für andere.

Abraham – und mit ihm das Volk Gottes – hat einen Reichtum weiterzugeben, der nicht am äußeren Wohlstand zu messen ist.

2 Tim 1, 8b – 10
Exegetische Hinweise
Dieser Brief ist sehr persönlich gehalten und erinnert an ein Testament. Paulus ermutigt in den ersten Versen, die wir vor uns haben, unerschrocken für das Evangelium einzutreten.

Assoziationen
Die Nachfolge Jesu, sein Kampf um die Gerechtigkeit, um gerechte Strukturen, um das Heil für alle Menschen, führt immer wieder in das Leid, Jesus selber sogar ans Kreuz. Es ist menschlich, dazu zu neigen, Leid zu vermeiden.  Warum soll ich einen leidvollen Weg gehen, wenn es mir selber doch gut geht?  Doch damit gehe ich dem Leben um mich herum aus dem Weg, sehe nicht die Ungerechtigkeiten, den Schmerz der anderen Menschen. Gehe ich den Weg Jesu, werde ich sensibel für alle Ungerechtigkeiten, sehe das Leid der Menschen, sehe die Ursachen des Leidens.

Mt 17, 1 -9
Exegetische Hinweise
Mt 17 steht zu Beginn des dritten Hauptteils des Evangeliums: Passion – Tod und Auferweckung Jesu. In der Verklärung Jesu wird die österliche Wirklichkeit vorausgedeutet.

Assoziationen
So himmlisch, wie auf dem Berg der Verklärung wird es wohl einmal sein. Das spüren Petrus, Jakobus und Johannes. Doch durch Mose und Elia, die mit ihnen redeten, wurde ihnen bewusst, dass es noch ein langer Weg sein wird, bis dieser Himmel, den sie in der Schau sehen, Wirklichkeit werden kann.  Mose und Elia kämpften für das Volk um gerechte Strukturen, stellten sich den Konflikten ihrer Zeit (u.a.  Befreiung aus der Sklaverei).

Elia stellte sich gegen einen unmenschlichen Götzenkult (Baal) und setzte sein Leben aufs Spiel.

Mose wie Elia folgten Gottes Ruf, seinem Auftrag, sich für die Gerechtigkeit, gegen die Unterdrückung einzusetzen. Darum werden wir aufgefordert, mit Jesus und den Jüngern wieder vom Berg der Offenbarung, der Schau der göttlichen Liebe, in die noch bestehende menschliche Wirklichkeit hinabzusteigen, in die Unrechtsstrukturen, in die Unerlöstheiten, um mit Jesus und durch ihn immer wieder ein Zeugnis zu geben für den Gott, der erlöst und befreit.

Godehard König, Bistum Rottenburg-Stuttgart

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