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Schwerpunktthema 2021/22 "frei - fair - handeln"

Das jährliche Schwerpunktthema bietet zusätzliche Hintergrundinformationen zum Zusammenhang "Kirche, Christsein und Nachhaltigkeit". Die Predigtimpulse des jeweiligen Kirchenjahrs selbst sind nicht an das Schwerpunktthema gekoppelt.

frei - fair - handeln
Schwerpunktthema im Kirchenjahr 2021/2022

welternaehrungUnser aktuelles Schwerpunktthema nimmt - neben Freihandelsabkommen - auch unser freies und nicht immer ganz faires Handeln in den Blick.

Freihandelsabkommen

Ein Freihandelsabkommen ist ein Abkommen, das zwischen zwei oder mehreren Ländern mit dem Ziel geschlossen wird, den internationalen Handel zu erleichtern. Vielen sind noch die leidenschaftlichen Diskussionen um die Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) zwischen der EU und den USA in Erinnerung.

Bei Freihandelsabkommen entfallen Zölle und Handelsbeschränkungen zwischen den beteiligten Partnern. Die Folge ist ein erhöhter Warenumsatz, dessen Sinn unter ökologischen und sozialen Gesichtspunkten durchaus fragwürdig ist. Einerseits ist die Masse des Warenumsatzes insgesamt mit Blick auf Ressourcen und Klimawandel ohnehin schon kritisch zu sehen. Andererseits können außerdem erreichte soziale und ökologische Standards durch Freihandelsabkommen unterlaufen werden.

Lieferketten

Eine elementare Voraussetzung für die Beurteilung der Fairness im internationalen Handel und Warenverkehr ist die Kenntnis der Lieferketten bis zum fertigen Produkt. Ein wichtiger Meilenstein dafür war die Verabschiedung des Lieferkettengesetzes im Deutschen Bundestag im Juni 2021. Im Rahmen unseres Schwerpunkthemas soll das Gesetz und seine Regelungsabsicht aus christlich-sozialer Perspektive genauer beleuchtet werden. Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftl. Zusammenarbeit und Entwicklung: "Die Ausbeutung von Mensch und Natur sowie Kinderarbeit darf nicht zur Grundlage einer globalen Wirtschaft und unseres Wohlstandes werden."

Sprache der Gerechtigkeit

Eine Sprache der Gerechtigkeit beginnt, wenn statt von Klimawandel und CO2-Zielen von Klimagerechtigkeit gesprochen wird. Gesucht und dringend erforderlich ist eine Sprache der Heilung, die die Beziehungen zu anderen - hinsichtlich Macht und finanziellem Einfluss benachteiligten - Völkern und zur Natur und ihren Ressourcen wieder in den Vordergrund rückt. Dazu gehört, die Beziehung zu mir selbst herzustellen, die Heilung im inneren Dialog. Der Mensch ist dafür gemacht, sich den Herausforderungen zu stellen und die Welt zu heilen. Anders ist es nicht möglich, glücklich zu werden - so der christlich-ethische Ansatz. Wie funktioniert eine globale Sprache der Gerechtigkeit?

Fair handeln — verhandeln

Auf der Weltklimakkonferenz in Glasgow (COP 26) im November 2021 war zu hören, dass zwar mehr Vertreterinnen und Vertreter indigener Gruppen und aus den Ländern des Globalen Südens zu den Verhandlungen zugelassen waren und zu Wort kamen. Allerdings fühlten sie sich selbst oftmals als »Exoten« im Verhandlungsumfeld wahrgenommen. Zwar ist "fair handeln" ohne zu verhandeln nicht möglich, aber fair zu handeln bedeutet auch, auf Augenhöhe zu verhandeln und Macht nicht gegen Schwächere auszuspielen.

Jorge Mario Bergoglio, der spätere Papst Franziskus, bezeichnet in seinem 2014 erschienenen Buch »Korruption und Sünde« ein System als korrupt, sobald eine Art von Verschwörung zustandekommt, die ihre Regeln selbst bestimmt und sich von höheren moralischen Ansprüchen frei gemacht hat. Charakteristische Merkmale von Korruption sind Selbstgerechtigkeit und ein gewisser Triumphalismus aus dem jeweiligen Machtbewusstsein heraus.

Vernünftiger Konsum ...

... ist der Hebel, der den meisten von uns zur Verfügung steht. Unabhängig von den Inhalten der vielen Freihandelsabkommen steht uns weitgehend frei, mit dem eigenen Konsum fair zu uns selbst zu sein. Unser Gewissen sagt uns, wenn wir ehrlich und fair zu uns selbst sind, welcher Konsum vor uns und vor anderen (indigene Kleinbauern ebenso wie die nachfolgenden Generationen) überhaupt noch vertretbar ist.

 Die inhaltliche Erarbeitung des Schwerpunktthemas erfolgt voraussichtlich von Januar bis März 2022.

Ihre Redaktionsgruppe
(letzte Aktualisierung: 22.11.2021)

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